Russland/China Thread... ein langer Weg zur Demokratie?!

Dieses Thema im Forum "Non-Sports" wurde erstellt von victory, 13. August 2008.

  1. big D

    big D MVP

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    Ich habe da ein wenig den idealismus verloren nach den ganzen dingen die in der welt passieren. ich hätte z.b auch gedacht, dass die türken die gleichschaltung durch erdogan nicht tolerieren würden. und wer weiß was bei uns passieren würde wenn die wirtschaft mal richtig abstürzen würde...

    ich glaube inzwischen das den leuten sicherheit (wirtschaftlich, militärisch...) wichtiger ist als freiheit. das sieht man ja selbst bei uns, einmal regen sich die leute über die NSA auf und die piraten bekommen 5% und dann passiert ein anschlag und die leute hätten am liebsten die totale überwachung.

    inzwischen glaube ich eher das der einzige zünder für eine revolution in china die wachsende ungleichheit zwischen arm und reich ist.
     
  2. Tuco

    Tuco MVP

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    Letztlich ist doch die aktuelle Lage der westlichen Länder ideal für die Propaganda in China und Russland, gerade die chaotische Trump-Regierung. Für Putin ist da der Plan wohl voll aufgegangen. Hier




    wurde neulich auch berichtet, dass Trump in China als Beispiel benutzt wird, um zu zeigen, dass Demokratie nicht funktioniert. In einer Beziehung haben sie sogar Recht: Bei sich längerfristig auswirkenden Problemen wie dem Klimawandel ist das chinesische System tatsächlich besser geeignet, gegenzusteuern. In Demokratien wird doch fast nie über die laufende Legislaturperiode hinaus geplant, dafür gibt es eben auch kaum Anreize. Aber nicht falsch verstehen, ich würde sicher nicht tauschen wollen... ;)
     
    RightyRight und sabatai gefällt das.
  3. big D

    big D MVP

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    es stimmt natürlich dass in einer Diktatur besser geplant werden kann. Das Problem ist das bei einer Diktatur menschen handeln und keine perfekten Computer. im dritten reich wurde auch langfristiger geplant als in der Bundesrepublik, so was wie Germania könnte es in einer Demokratie nicht geben...

    das Problem ist dann eher wenn die Diktatoren durchdrehen und nicht mehr im Interesse des volkes handeln. das muss nicht mal absichtlich passieren, oft verkennt der Diktator einfach die lage.

    deshalb ist eine Demokratie langfristig immer besser. es gibt immer mal wieder einen idioten, aber der wird auch schnell wieder beseitigt. daher wird eine Demokratie eher langsamer wachsen, aber dafür auch stetiger, da sie nicht mal 30 jahre auf einem Mao oder Stalin sitzen bleiben.

    ein trump ist nach 4 jahren wieder weg, von einem mao hast du wenn du Pech hast 10 mal so lange was.

    ein ding wie S21 oder den berliner flughafen hätte es aber natürlich unter Albert Speer oder seiner chinesischen Version nicht gegeben, dass stimmt schon, aber ist das der preis den wir zahlen wollen?
     
  4. big D

    big D MVP

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    bezüglich des chinesischen wachstums glaube ich schon, dass die Regierung da einen guten Job macht, aber der Hauptgrund ist natürlich, dass man in einem lang mit riesigen Ressourcen den Kapitalismus freigegeben hat und dort jetzt mit niedrigen löhnen produziert werden kann.

    im Prinzip ist das das gleiche was in Deutschland ab den späten 50ern oder in Japan ab den 70ern passiert, nur halt 10 mal so groß, da es viel mehr menschen gibt. die chinesische Planwirtschaft sehe ich da eher als zweitrangig an, wichtiger ist das es Freihandelszonen gibt in denen alles erlaubt ist und arbeiter kaum rechte und kosten haben. dazu kommt halt das die Asiaten im mittel generell recht strebsam sind was Bildung und karriere angeht (in China genau wie in Korea oder Japan) was bedeutet, dass man genug qualifizierte und motivierte leute hat.

    die Regierung hat gut gearbeitet, aber ein Japan mit 10 mal so viel fläche und menschen wäre jetzt mindestens da wo China jetzt ist, wahrscheinlich sogar noch wesentlich weiter.

    China als Beispiel für die Funktion von regierungsplanung zu sehen ist glaube ich falsch, denn das Wachstum gibt es erst seitdem deng einen völlig entfesselten Frühkapitalismus in bestimmten Zonen erlaubt hat. den Vorteil den China hat sind vor allem unglaublich viele relativ gut ausgebildete menschen die trotz Wachstum der Mittelschicht immer noch recht günstig zu haben sind.
     
  5. MadFerIt

    MadFerIt Apeman

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    mich würde ja mal interessieren, wer dieses gerücht in die welt gesetzt hat, dass die chinesen strebsam und arbeitswillig seien. meiner erfahrung nach sind die nämlich das genaue gegenteil. mag sein, dass es eliten gibt, die genau so sind, wie von dir beschrieben, aber der gemeine chinese hat genauso wenig bock auf arbeiten wie jeder andere, der nicht mit seinem job verheiratet ist. und das sieht man an jeder ecke in einem betrieb. da wird halt lieber geschlafen oder es werden videospiele gespielt. sobald dort die glocke läutet, wird die arbeit aus der hand gelegt und schneller als man gucken kann, sind die räume leer.
     
  6. big D

    big D MVP

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    das waren aber dann einfache ungelernte Fabrikarbeiter, oder?
     
  7. MadFerIt

    MadFerIt Apeman

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    nein, das waren einerseits verwaltungsmenschen im büro und andererseits menschen, die autos zusammenbauen.
     
  8. sabatai

    sabatai GGG Police Chief Officer

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    Projekt wurde übrigens vorerst ausgesetzt. Unglaublich wie blauäugig die Chinesen an diese Sache herangegangen sind. :crazy:
     
  9. Young Kaelin

    Young Kaelin former NUSBTS-Champion & CAAO-Champion

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    https://www.tagesanzeiger.ch/sport/...emen-findet-chinas-parteiblatt/story/31933291

    Für mich sinnbildlich, was dabei rauskommt, wenn Meinungsfreiheit auf den Sport trifft. War das jetzt so schlimm, dass sich Tibeter im Stadion mit Fahnen zeigen? Ich finde persönlich grundsätzlich nichts schlimmes dran, stehe da aber im Gegensatz zum geltenden Recht (siehe unten). Dennoch ist dieser Sieg der Meinungsfreiheitler imo ein Phyrrussieg. Ich gehe davon aus, dass die Jungs von China in D nicht mehr antreten werden, ohne dass gewährleistet ist, dass im Stadion keine politischen Veranstaltungen/Meinungskundgebungen mehr abgehalten werden. Dafür hab ich dann allerdings auch ein gewisses Verständnis.

    Wenn zum Beispiel beim Basler Schachturnier ALS HYPOTHESE ein Tibeter meint, mit der Tibetfahne vor der Chinesendelegation rumzufuchteln, wär ich dafür, dass die Demonstranten Hausverbot bekommen. Wieso? Ist mir Meinungsfreiheit Wurst? Soll man denn China und deren Vertreter nicht angreifen dürfen?

    Mit Sicherheit nicht. von mir aus können Tibeter auf allen Fernsehkanälen ihre Anliegen vorbringen. Die können Leserbriefe bis zum abwinken schreiben. Sie können mit Transparenten und Fahnen auch quer durch Basel ziehen und von mir aus können sie auch ne Demo vor der chinesischen Botschaft abhalten.

    Aber: und darauf leg ich Wert: bei einer Schachveranstaltung haben die nix aber auch gar nix zu demonstrieren. Das ist ein friedlicher Anlass, wo sich Sportler treffen, die nichts anderes tun wollen als Schach spielen. Ich hab mich vor einer Runde mal mit Vlastimil Hort unterhalten. Der war sowas von in seinem Tunnel. Wenn man da einen Spieler in seiner Konzentration stört, ist dies das Allerletzte. Da brauchts dann wirklich keinen Demonstranten, der einen Spieler beim friedlichen Ausführen seines Sports stört und der nun wirklich ebensoviel für das Problem China/Tibet kann wie die obenzitierten Fussballer. Meinungsfreiheit ist nicht ohne Grenzen, auch bei uns nicht.

    Was passiert, wenn der chinesische Chef auftaucht und sich Demonstranten zeigen: dann ist plötzlich der Spass und die Meinungsfreiheit vorbei und die Plakate und Fahnen verschwinden so schnell wie sie gekommen sind, obwohl der Protest da imo weitaus sinnvoller wäre als bei einem unschuldigen Fussball- oder Schachspiel.

    Aber bei Sportveranstaltungen ist man da natürlich grosszügiger. Da gilt dann die Meinungsfreiheit wieder, vermutlich weil auch nicht so viel Zaster und so viele Geschäfte auf dem Spiel stehen. Was für eine verlogene Meinungsfreiheit-Argumentation.

    Dabei kennt man offensichtlich nicht mal die eigenen Bestimmungen:

    http://www.spiegel.de/sport/fussbal...olch-eine-zerstoerung-anrichten-a-715178.html

    Die Uefa hat später ein Verbot erlassen, um politische Kundgebungen auf dem Fußballplatz zu verhindern.

    Ich geh davon aus, dass sich bis dato an der Bestimmung nix geändert hat.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. November 2017
  10. big D

    big D MVP

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    Man kann darüber streiten ob man beim Sport politisch werden muss (wie damals bei den schwarzen US Sprintern in Mexiko) dennoch zeigt es wie China mit Meinungsfreiheit umgeht. Ich glaube nicht das die US Nationalmannschaft eingepackt hätte wenn dort Indianer demonstriert hätten oder bei Australier bei aborigines.

    Und unter dem derzeitigen Präsidenten wird es in China eher wieder schlimmer was Überwachung angeht, auch Unternehmer beschweren sich das sich bei Ihnen zunehmend parteifunktionäre reinhängen.

    Dieses Bild das sich China halt ganz langsam aber stetig immer weiter zum besseren entwickelt stimmt auch nicht ganz, es gibt zwar Bereiche wie Umweltschutz wo es Fortschritte gibt, aber es gibt auch Rückschritte, so plant China zum Beispiel ein punktesystem für die linientreue http://www.sueddeutsche.de/politik/...ler-plan-fuer-den-besseren-menschen-1.3517017
     
  11. Joe Berry

    Joe Berry Kosmopolitische NBA-Koryphäe

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